Frankfurt (fondsweb.de) - 2011 begann die indische Zentralbank - die Reserve Bank of India (RBI) -, ihre Währungspolitik aggressiv zu straffen, um hartnäckig hohe Inflation einzudämmen. Nach den jüngsten Zinserhöhungen vom Oktober lagen Repo- und Reserve-Repo-Satz jeweils bei 8,5% bzw. 7,5%. Die Inflation bewegte sich zuletzt bei 9%. Das Niveau ist damit zwar niedriger als im ersten Halbjahr 2010, muss jedoch unserer Ansicht nach noch deutlich zurückgehen. Wir rechnen daher erst wieder mit größerem Entgegenkommen der RBI, wenn die Inflation beherrschbare Höhe erreicht hat, berichtet Sukumar Rajah, Managing Director und Investmentstratege für asiatische Aktien bei Franklin Templeton.
Manche Investoren sorgten sich um die Auswirkungen höherer Zinsen auf konjunktursensible Sektoren wie Infrastruktur, Autos und Finanzen. Aktien aus diesen Sparten verzeichneten 2011 tatsächlich beträchtliche Volatilität, vor allem in den letzten Monaten. Die Zinsen sind zwar eine Variable mit möglichen Effekten auf diese Branchen, aber nicht unbedingt die bedeutsamste. Andere Faktoren könnten ebenfalls Einfluss ausgeübt haben. So hat es nach unserem Eindruck im Infrastruktursektor aus Gründen wie politischer Unsicherheit Verzögerungen bei höherwertigen Projekten gegeben. Unseres Erachtens litt die Autoindustrie nicht nur unter nachlassender Nachfrage, sondern auch unter anderen Problemen wie verstärktem Wettbewerb. Bei den Finanzwerten nahmen wir zunehmende Ungewissheit wahr, da die Branche infolge der jüngsten Deregulierung der Zinsen für Sparkonten Neuland betrat, so Rajah weiter.
Mit Blick auf 2012 dürften in Indien nach Meinung des Investmentstrategen binnenwirtschaftliche Themen wie Wachstum, Reformen und fiskalpolitische Stabilität wichtiger werden als globale. Geringes Wachstum in vielen Volkswirtschaften weltweit müsse die indische Wirtschaft nicht notgedrungen stark in Mitleidenschaft ziehen, denn der prozentuale Anteil des Außenhandels am gesamten Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei nicht so hoch. Stattdessen dürfte der Schwerpunkt in Indien seines Erachtens nach eher woanders liegen - etwa auch Wiederaufnahme des Wachstumskurses, Beseitigung von Engpässen im Infrastruktursektor, Umsetzung diverser politischer Reformen und fiskalpolitischer Stabilität.
Unserer Ansicht nach sollte das Binnenwachstum auch durch bessere demografische Voraussetzungen gesteigert werden. In den letzten zehn Jahren wuchs die indische Wirtschaft beschleunigt, weil die Mittelschicht zunahm. Heute gehören rund 20% der indischen Bevölkerung zur Mittelschicht. Dieser Anteil soll nach Projektionen bis 2025 um rund 12% pro Jahr zunehmen. Wenn die Mittelschicht wächst, dürften wir auch einen Anstieg des Konsums erleben. Von 2010 bis 2020 soll die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter weltweit um rund 500 Millionen Menschen zunehmen, wozu Indien über 25% beitragen dürfte. Wenn die indische Erwerbsbevölkerung wächst, dürfte sich die Sparquote im Land, die derzeit bei über 30% liegt, unserer Ansicht nach noch erhöhen und weitere Wachstumsimpulse auslösen. Als Folge erkennen wir eine Kombination aus gestiegenem Konsum und Investitionen in der Wirtschaft in Bezug auf Infrastruktur und Produktionskapazitäten als Wachstumstreiber, so die Meinung Rajahs. Diese Faktoren dürften seiner Meinung auch in den kommenden zehn Jahren für Wachstum sorgen - ein Trend, der sich sogar noch verstärken könnte.
Gleichzeitig habe die Fondsgesellschaft eine qualitative Verschiebung auf dem indischen Aktienmarkt beobachtet. Er sei effizienter geworden und sorge für eine bessere Verteilung des Kapitals als in den vergangenen fünf, sechs Jahren. Außerdem seien qualitative Verbesserungen bei Unternehmensführung und Transparenz festgestellt worden, wovon die Investmentstrategen von Franklin Templeton in den nächsten Monaten und Jahren gerne mehr sehen würden.
