Frankfurt (fondsweb.de) - Trotz der ungewissen Gesamtsituation sind die US-Unternehmen für 2012 gut positioniert, um ihre Gewinne und Gewinnspannen zu erhöhen, da ihre Umsätze stärker steigen als das BIP. Zudem können die Renditen durch den Einsatz liquider Mittel gestützt werden, falls die gesamtwirtschaftliche Entwicklung negativer ausfallen sollte, als wir aktuell erwarten. Wir gehen davon aus, dass US-Aktien langfristig höhere Renditen abwerfen werden als die Aktien anderer entwickelter Märkte. Grund dafür sind die Stärke der Unternehmen sowie drei positive nachhaltige Faktoren: Innovation, ein zunehmender Wettbewerbsvorteil und das Bevölkerungswachstum, schreibt Joanna Shatney, Head of US Large Cap Equities von Schroders in ihrem Jahresausblick 2012.
Die USA hätten im Jahr 2011 für jede Menge Negativschlagzeilen gesorgt. Aber trotz der Korrektur um 20 % zur Jahresmitte notiere der Markt derzeit lediglich 5 % unter seinem Stand zu Jahresbeginn. Die Korrelation zwischen der Performance einzelner Titel bewegte sich 2011 auf einem Rekordhoch, da die Besorgnis über die makroökonomische Lage einen differenzierteren Blick auf die Fundamentaldaten der Unternehmen verhinderte. Obwohl das Wahljahr 2012 von denselben Sorgen wie das Vorjahr geprägt sein könnte, gibt es Positives im Unternehmenssektor. Wir rechnen mit einem moderaten Gewinnwachstum entgegen niedriger Erwartungen, so Shatney.
Wir hoffen, dass sich die Anleger allmählich wieder auf Unternehmen mit starken Fundamentaldaten und attraktiven Bewertungen konzentrieren werden, sodass der Markt endlich aus der Korrelationsstory des Jahres 2011 ausbrechen kann, heißt es weiter.
2012: Moderates Gewinnwachstum entgegen niedriger Erwartungen
Die Erwartungen bezüglich des BIP-Wachstums seien in den vergangenen Monaten nach unten korrigiert worden. Trotzdem werde mit einem stärkeren Wirtschaftswachstum in den USA als in anderen Industriestaaten gerechnet. Schroders gehe davon aus, dass ein Gewinnwachstum von mindestens 5-10 % im nächsten Jahr am wahrscheinlichsten sei. Obwohl dies deutlich unter den sprunghaften zweistelligen Zuwächsen der Unternehmen im S&P 500 nach dem Tiefstand im März 2009 liege, betrachte die Fondsgesellschaft das Ergebnis vor dem Hintergrund sehr geringer Erwartungen als ausreichend.
Langfristig, unter Ausschluss eines Rückfalls in die Rezession, glauben die Schroder-Investmentstrategen nach wie vor, dass US-Unternehmen relativ gut für die kommenden Jahre positioniert sind, da verschiedene positive Faktoren das Gewinnwachstum stützen würden:
1) Das Umsatzwachstum der US-Unternehmen habe in den vergangenen drei Jahren über dem BIP-Wachstum gelegen.
2) Die Kapazitätsauslastung sei sehr gering. Mit höheren Volumen sollten sich auch die Gewinnspannen verbessern, wobei das Thema Kostenbegrenzung nach wie vor eine Rolle spiele.
3) Der Einsatz liquider Mittel sollte die Gesamtrendite für die Anleger durch höhere Dividenden und Aktienrückkäufe steigern. Falls das Umsatzwachstum hinter den Erwartungen zurückbleibe, würden die Unternehmen möglicherweise verstärkt auf Akquisitionen und den Einsatz liquider Mittel setzen, um die Gesamtrenditen zu schützen.
Die Bewertungen sind attraktiv - im Vergleich zu anderen Industrieländern
In den vergangenen 20 Jahren habe der S&P 500 mit einem KGV von 10-20 auf Basis der erwarteten Gewinne notiert, wobei der Durchschnittswert bei 13,7 gelegen habe. Unsere Prognose eines Gewinnwachstums von 5-10 % im kommenden Jahr würde einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 12 entsprechen. Während andere Industrieländer kurzfristig günstigere Bewertungen aufweisen, bieten US-Aktien auf lange Sicht attraktivere Ertragsströme und Gesamtrenditen als die meisten entwickelten Märkte. Grund dafür ist unter anderem die Flexibilität der US-Unternehmen in Bezug auf die Gewinnsteigerung (die oben genannten positiven Faktoren) in Kombination mit den langfristigen Wachstumstreibern Innovation, Wettbewerbsvorteil und Bevölkerungswachstum, schreiben die Schroder-Experten.
Ein kurzer politischer Ausblick: Es gibt viel zu tun - aber wie viel davon im Wahljahr angepackt wird, ist ungewiss
Wahljahre bedeuteten oft - aber nicht notwendigerweise - gute Nachrichten für die Märkte. Wir sehen 2012 als ein Jahr mit nur wenigen Entscheidungen. Dies könnte sich negativ auswirken, wurde jedoch bereits zum Teil von den Märkten eingepreist. Zudem werden die Haushaltsausgaben das BIP-Wachstum im kommenden Jahr wahrscheinlich um mindestens 100-200 Basispunkte drücken. Unklarheit herrscht noch in Bezug auf Haushaltskürzungen - wir rechnen erst nach den Wahlen mit Entscheidungen zu diesem Thema (2013). Die Verlängerung einiger Steuerpakete, die Ende 2010 überarbeitet wurden, ist ebenfalls noch nicht beschlossen. Mit mehr Informationen dazu ist jedoch in den nächsten Monaten zu rechnen. Darüber hinaus sind die USA mitten in der Umsetzung umfassender Gesetzesänderungen für die Finanzbranche und den Gesundheitssektor. Mehr Klarheit in Bezug auf diese neuen Regelungen und Strukturen könnte insgesamt für größeren Optimismus sorgen.
Im Gegensatz zu vielen anderen Industrieländern könnten die USA auf zweierlei Arten ihren haushaltspolitischen Herausforderungen begegnen:
- Die US-Notenbank (Fed) habe ein doppeltes Mandat: Sie soll nicht nur die Inflation eindämmen, sondern auch für eine möglichst hohe Beschäftigungsquote sorgen. Dies bedeute, dass sie bei einer anhaltenden Konjunkturschwäche versuchen könnte, die Geldpolitik weiter zu lockern. So könnte sie ihre Bilanz ausweiten und weiterhin kreative Lösungen wie beispielsweise die Operation Twist einsetzen, um die Wirtschaft anzukurbeln.
- Das Potenzial für weitere Konjunkturanreize bestehe. Aber abgesehen von einer Verlängerung der Steuererleichterungen, die verhindere, dass die kalte Progression 2012 150 Basispunkte übersteige, habe Schroders diesbezüglich keine großen Erwartungen.
Wachstum - eine Kernkompetenz der USA
Wettbewerbsvorteile und langfristige Strukturveränderungen sollten nach Meinung der Fondsgesellschaft das Wachstum in den USA im Vergleich zu anderen Ländern stärker stützen:
Innovation: Obwohl viele Trends sich auf globaler Ebene entwickeln, sind viele der weltweit größten, bekanntesten und innovativsten Unternehmen in den USA ansässig (z. B. Apple, Google und Amazon). Dies biete eine solide Grundlage für organisches Umsatzwachstum und erweitere die Auswahl an Anlagegelegenheiten für wachstumsorientierten Strategien.
Das Wettbewerbsumfeld für US-Unternehmen habe sich verändert: Zunächst habe der fallende Dollar dazu beigetragen, die Kostenbasis im Fertigungsbereich in den USA zu senken, was mittlerweile auch auf Interesse seitens der Anleger stoße. Ein langfristiger Trend in den vergangenen zwanzig Jahren sei die Steigerung der Produktivität um jährlich 1,7 %, die damit über den Werten für Europa und Japan liege. Angestellte in den USA seien heute 1,2-mal so produktiv wie europäische bzw. 1,4-mal so produktiv wie japanische Angestellte.
Bevölkerungsentwicklung: Im Gegensatz zu vielen anderen Industrieländern verzeichneten die USA immer noch ein reales Bevölkerungswachstum, das das langfristige Wirtschaftswachstum stützen und die Bewältigung einiger Herausforderungen ermöglichen sollte, darunter das Überangebot am Wohnimmobilienmarkt. Dieser Trend ergebe sich aus einer positiven Geburtenrate sowie der Einwanderung.
