fondsweb.de

 
Erweiterte Fondssuche
Name, Gesellschaft, WKN, ISIN, Schlagwort (z.B.: "Energie")
Sie sind nicht eingeloggt! Jetzt einloggen oder erst registrieren.

21.12.2011 13:18 — Japanische Aktien sehr günstig bewertet

Frankfurt (fondsweb.de) - 2011 war ein ausgesprochen schwieriges Jahr für Japan. Besonders gravierend waren die Folgen des verheerenden Erdbebens im März. Vor der Katastrophe bot der japanische Aktienmarkt noch attraktive Erträge. Niemand konnte ahnen, dass sich der Markt nach einem Erdbeben einem Niveau annähern würde, das zuletzt vor 30 Jahren verzeichnet wurde, schreibt Shogo Maeda, Leiter japanische Aktien bei Schroders, in seinem Jahresausblick 2012.


Wie geht es nun weiter? Viele Faktoren legen nach Ansicht des Investmentstrategen derzeit nahe, dass es nur noch aufwärts gehen kann. Der Markt befinde sich auf dem tiefsten Stand seit mehreren Jahrzehnten, die Bewertungen würden daher äußerst günstig erscheinen, die kurzfristige Wirtschaftsdynamik zeige nach oben und die Staatsausgaben würden in den nächsten Jahren steigen. Dem stünden jedoch einige Unsicherheitsfaktoren auf makroökonomischer Ebene im Jahr 2012 gegenüber. Dies seien die politische Entwicklung, die Kernkraft, der Yen und die Weltwirtschaft. Nach einem ausgesprochen turbulenten Jahr für Japan sei die Fondsgesellschaft zum Jahresauftakt bestrebt, die attraktiven Bewertungen auszunutzen.


Bewertungen: Tiefster Stand seit mehreren Jahrzehnten


Der japanische Markt ist nach Meinung Maedas derzeit besonders günstig bewertet: Ausgehend von den Marktbewertungen in den Jahren 2008 und 2009 sei in japanischen Aktien ein recht pessimistisches Szenario eingepreist. Vor diesem Hintergrund halten wir Kursgewinne im Jahr 2012 für möglich, so der Leiter japanische Aktien bei Schroders.


Ferner sei die Fondsgesesellschaft zuversichtlich, dass einige der international wettbewerbsfähigen Branchen des Landes, wie der Automobil- und Elektroniksektor, 2012 ins Rampenlicht treten würden und positive Erträge für die Aktionäre erwirtschaften würden.


Die Fundamentaldaten der Unternehmen


Die Folgen des Erdbebens, darunter der Anstieg der Energiepreise und der Steuern, würden die Verlagerung japanischer Unternehmen ins Ausland beschleunigen. In den vergangenen zehn Jahren hätten sie ihre Investitionen innerhalb des Landes reduziert und stattdessen immer stärker in ihre Auslandsaktivitäten investiert. Mit Erfolg: Über ein Viertel der Gewinne der großen Industriekonzerne würde 2010 aus dem Asiengeschäft stammen. Eine große Anzahl an Unternehmen expandiere mittlerweile in die rasch wachsenden Schwellenmärkte, insbesondere China und Südostasien. Gleichzeitig hätten japanische Firmen ihren Verschuldungsgrad schrittweise auf ein Niveau von mittlerweile unter 0,5 Prozent verringert. Damit sei die Nettoverschuldung etwa halb so hoch wie noch vor zehn Jahren (gemessen an den 400 großen börsennotierten Unternehmen im NRI 400 Index des Nomura Research Institute). Die freien Cashflows würden eingesetzt, um die Dividenden zu erhöhen und eigene Aktien zurückzukaufen. Trotz der Instabilität der weltweiten Finanzmärkte würden die Ergebnisse der drei größten Banken des Landes für das laufende Geschäftsjahr voraussichtlich nahe ihren Rekordständen liegen. Die globale Wirtschaftslage habe sich in den vergangenen Monaten verschlechtert und damit für zusätzliche Unsicherheit in Bezug auf die Gewinnaussichten für 2012 gesorgt. Die insgesamt soliden Fundamentaldaten der Unternehmen würden allerdings deutlich höhere Bewertungen rechtfertigen.


Öffentliche Ausgaben


Was die Staatsausgaben betreffe, stünden die Zeichen gut. Die Nachtragshaushalte - zusätzliche staatliche Mittel zur Förderung des Wirtschaftswachstums in Japan - würden in den nächsten Monaten zu einem deutlichen Anstieg der öffentlichen Ausgaben führen. Ein Teil dieser Mittel werde eingesetzt, um die Wechselkursentwicklung des Yen zu beeinflussen. Nachdem bereits zwei Nachtragshaushalte verabschiedet worden seien, stehe jetzt ein drittes Paket an. Wir gehen davon aus, dass die Konjunkturpakete in ungefähr einem Jahr ihre volle Wirkung entfalten werden. Die Steigerung der Produktion und der Investitionen wird der Wirtschaft weitgehend unabhängig von den Entwicklungen in anderen Teilen der Welt einen Schub verleihen. Für Anleger in Japan sind das ausgezeichnete Nachrichten, so Maeda.


Der Yen


Die japanische Währung lege zum Jahresende weiter zu und stelle damit eine Belastung dar. Das Problem der Währungsaufwertung sei jedoch nicht neu für Japan und könne durchaus bewältigt werden. Das japanische Exportvolumen entwickele sich in der Regel ähnlich dem globalen Exportvolumen. Nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers hätten sich die weltweiten und japanischen Ausfuhren in dieselbe Richtung bewegt, wobei die Volumen in Japan deutlich stärker zurückgingen seien. Japans Exporte seien zuletzt gegenüber den globalen Exporten drastisch eingebrochen. Das sei ein deutlicher Hinweis darauf, dass wir es nicht mit einem Nachfrageproblem, sondern mit Versorgungsengpässen zu tun hätten. Da sich angeschlagene Branchen wie die Automobilproduktion und Unterhaltungselektronik allmählich erholten, dürfte die Produktion in den nächsten Monaten mit größter Wahrscheinlichkeit deutlich anziehen - und zwar nahezu unabhängig von der weltweiten Nachfrage.


Die politische Entwicklung


Angesichts des ständigen Wechsels an der Regierungsspitze Japans - die Gruppe der Premierminister im Ruhestand zähle mittlerweile zwölf Mitglieder - gerate man leicht in Versuchung, das politische Geschehen des Landes als trivial abzutun. Das Vertrauen in die Wirtschaft sei jedoch eng mit der politischen Lage verknüpft. Obwohl Noda Yoshihiko, der im August 2011 die Nachfolge von Kan Naoto angetreten habe, eine versöhnliche Haltung gegenüber den Oppositionsparteien einnehme, seien einige grundlegende Probleme nach wie vor ungelöst. Die Aussichten für 2012 seien daher ungewiss. Zuversichtlich stimmt uns jedoch die jüngste Initiative des neuen Premiers, gegen den massiven Widerstand von Vertretern aus den eigenen Reihen in die Verhandlungen über Japans Beitritt zum transpazifischen Freihandelsabkommen Trans-Pacific Partnership einzutreten.


Kernkraft


Die Frage der Kernkraft in Japan sei einmalig und könnte ein ernsthaftes Risiko darstellen. Vor dem Atomunglück von Fukushima sei fast ein Drittel des Stroms per Kernkraft erzeugt (55 Kraftwerke) worden. Von diesen Kraftwerken seien derzeit lediglich 20 Prozent in Betrieb. Von den 80 Prozent der stillgelegten AKWs seien einige durch das Erdbeben oder den Tsunami beschädigt worden, die Mehrzahl sei jedoch ordnungsgemäß kontrolliert und vielmehr aufgrund des Widerstands lokaler Behörden nicht wieder ans Netz genommen worden. Die noch laufenden AKWs sollten bis nächsten Frühling inspiziert werden. Sollten diese 20 Prozent für Wartungsarbeiten stillgelegt und nicht wieder in Betrieb genommen werden, ist mit massiven Versorgungsengpässen zu rechnen. Dieses Risiko muss mit Blick auf das Jahr 2012 einkalkuliert werden, wobei es sich jedoch um das Worst-Case-Szenario handelt, so Maeda. Der offensichtlich pragmatischere Ansatz von Noda Yoshihiko dürfte der Situation im Land zugutekommen.

Gesellschaften zu dieser Nachricht:




X