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07.12.2011 14:52 — Schroder stellt mögliche Szenarien für 2012 vor

Frankfurt (fondsweb.de) - Alan Brown, Group Chief Investment Officer beim britischen Vermögensverwalter Schroders, hat einen Blick in die Kristallkugel geworfen und befürchtet, dass die Probleme in der Eurozone und das chronisch schwache Wachstum in den Industrieländern die Anlagerenditen auch 2012 entscheidend beeinflussen werden. Die Rahmenbedingungen für Geldanlagen dürften somit weiterhin äußerst schwierig sein und sich zumindest vorerst nicht verändern.


Einen entscheidenden Unterschied zwischen 2011 und 2012 dürfte es jedoch aus Sicht von Brown geben: 2011 war das Jahr, in dem der Markt permanent hin- und hergerissen war zwischen Risikobereitschaft und Risikoaversion, je nachdem, ob die zentralen Themen Eurozone und Double Dip gerade optimistisch oder pessimistisch betrachtet wurden. 2012 hingegen dürfte das Jahr werden, in dem sich herauskristallisiert, wie es mit der Eurozone weitergeht - steht ein Double Dip an oder nicht. Wendet sich das Blatt zum Besseren oder Schlechteren? Von dieser Lösung hängt enorm viel ab. Eine positive Lösung - wobei wir darüber nachdenken müssen, wie eine positive Lösung überhaupt aussehen würde - könnte den Boden für eine bescheidene Marktrally auf Basis günstiger Bewertungen bereiten. Ein negativer Ausgang birgt im Extremszenario die Gefahr eines Dominoeffekts in der Eurozone mit einem Zusammenbruch derselben, was die gesamte industrialisierte Welt wieder in eine tiefe Rezession stürzen würde. Da kaum noch effektive geldpolitische Hebel zur Hand sind, stehen wir buchstäblich vor der Aufgabe, ohne Ruder flussaufwärts zu fahren, begleitet von der verzweifelten Hoffnung, dass der Wasserfall uns nicht hinabzieht, so der Schroder-Investmentstratege.


Was ist ein positiver Ausgang?


Nüchtern ausgedrückt wäre aus Sicht von Brown ein positiver Ausgang, wenn die Eurozone aus den Schlagzeilen verschwände und wir Anzeichen dafür sähen, dass die Industrieländer zumindest ein schwaches Wirtschaftswachstum verzeichneten. Natürlich seien das Wachstum der Industrieländer und das Schicksal der Eurozone eng miteinander verknüpft. Es ist schwer vorstellbar, dass wir beruhigende Wachstumsaussichten haben werden, ohne dass eine in irgendeiner Weise zufriedenstellende Lösung für die Probleme der Eurozone vorliegt, heißt es weiter.


Erweisen sich die Wachstumsprognosen für Griechenland als zu optimistisch (und das ist sehr wahrscheinlich), dann kann die Schuldenquote noch deutlich über 120 Prozent liegen. Das grundlegende Problem Griechenlands, aber auch Italiens und anderer Länder liegt darin, dass die notwendigen Schritte um die Volkswirtschaften wettbewerbsfähiger zu machen, sehr viel Zeit brauchen, weil der Weg über eine Währungsabwertung nicht möglich ist. Vermutlich benötigen die Länder sogar mehr Zeit, als die Märkte ihnen geben werden, so Brown.


Es werde oft behauptet, dass die wirtschaftlichen Kosten des Ausstiegs eines Landes aus der Eurozone katastrophal wären, von den politischen Kosten ganz zu schweigen. Die Folgen wären natürlich denkbar, müssen aber nicht zwingend eintreten. Alles hängt davon ab, ob ein möglicher Ausstieg geordnet oder ungeordnet vollzogen wird, schreibt Brown. Fest stehe, dass es keine kostenneutralen, schmerzlosen Lösungen gebe. Die Korrektur der strukturellen Ungleichgewichte, die sich in der Eurozone aufgebaut hätten, verlange einige schwierige Anpassungen. Den Status Quo beizubehalten sei keine Option.


Die Engagements der Banken in den Ländern der europäischen Peripherie abzuschreiben, werde wehtun. Aber zuzulassen, dass diese Engagements weiter wachsen (was sie unweigerlich tun würden, wenn die Peripherieländer ihr hohes Defizit gegenüber Nordeuropa beibehalten würden), zögere nur den Tag der Abrechnung hinaus und mache das Problem letztlich nur noch schlimmer.


Der Unterschied zwischen einem geordneten und einem ungeordneten" Ausstieg hänge im Wesentlichen davon ab, ob ein stabiler Schutzwall gebaut werden könne, der einen Dominoeffekt verhindere, von dem andere Länder wie Portugal, Irland und Italien (als kritischster Fall) mitgerissen würden. Die italienische Staatsverschuldung liege bei 1,9 Billionen Euro und übersteige damit bei weitem die Mittel der derzeit vorhandenen Stützungsmechanismen. Ein sinnvoller Ansatz wäre aus Sicht Browns, die Abschreibung der griechischen Schulden an einen Ausstieg aus dem Eurosystem zu knüpfen. Andere verschuldete Länder wüssten dann, dass der Preis für Schulden dieses Ausscheiden wäre, was die Versuchung dämpfen würde, sich um einen ähnlichen Schuldenerlass zu bemühen.


Das größte Risiko - ein ungeordneter Ausstieg


Die große Befürchtung ist, dass es nicht möglich sein wird, einen Schutzwall zwischen Griechenland und den übrigen Peripherieländern der Eurozone zu errichten. Misslingt es tatsächlich, bedeutet dies, dass ein Ausstieg Griechenlands andere Länder anstecken wird. Anleger werden ihr Geld aus anderen Peripherieländern abziehen, die in ihren Augen als nächstes an der Reihe sind. Die Banken werden gezwungen, ihre Türen zu verschließen, und die Eurozone gerät in den Würgegriff einer allgemeinen Kreditklemme. Mit der Wirtschaft geht es steil bergab. Die Rezession breitet sich über die Eurozone hinaus aus und erfasst zuerst den Rest Europas, dann die Vereinigten Staaten, so schildert der Schroder-Experte die zweite Möglichkeit.


Es sei unmöglich vorherzusagen, wie stark in einem solchen Szenario die Wirtschaftsproduktion zurückgehen würde. Eine Analyse vergangener Krisen (Argentinien etc.) deute jedoch darauf hin, dass die Produktion in der Eurozone um 10 Prozent, 20 Prozent oder gar noch stärker zurückgehen könnte. Unter diesen Umständen könnte Aktienanlagen, die derzeit aus historischer Sicht niedrig bewertet erscheinen mögen, ein weiterer erheblicher Wertverlust bevorstehen.


Es gebe nur ein Land und eine Institution, die zusammen die Kraft besäßen, um die Dominosteine vor dem Umfallen zu bewahren, wenn die Krise tatsächlich um sich zu greifen beginne: Deutschland und die EZB. Habe der Ansteckungseffekt erst einmal eingesetzt, bestehe die einzige Möglichkeit darin, den Fuß von der Bremse zu nehmen und der EZB zu erlauben, unbegrenzt Geld zu drucken. Ganz ähnlich wie es die Schweizer getan hätten, als sie sagten, sie würden unbegrenzt Schweizer Franken verkaufen, um den Wechselkurs zum Euro über 1,20 zu halten.


Die EZB könnte dasselbe tun und unbegrenzt für die Schulden ihrer Peripherieländer einstehen. Dies würde jedoch nicht nur allen deutschen Instinkten zuwiderlaufen, sondern auch eine direkte Verletzung des Vertrages von Lissabon (Artikel 123) bedeuten. Maßnahmen dieser Art würden ein klares Umgehen bestehender Regeln bedeuten, und das sei der Grund, weshalb sie erst im allerletzten Moment, bevor der Karren an die Wand fährt, stattfinden würden bzw. könnten. All dies spreche dafür, dass uns äußerst ungemütliche Zeiten bevorstehen würden, mit den verschiedensten möglichen Ausgängen - viele davon höchst unerfreulicher Art.

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