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30.11.2011 12:54 — Rohstoffe- Korrekturen zum Einstieg nutzen

Frankfurt (fondsweb.de) - Vor der Revolution lag die libysche Förderleistung bei 1,6 Millionen Barrel pro Tag. Seit dem Sturz des Gaddafi-Regimes hat das Land die Förderung schneller als erwartet wieder aufgenommen. Schon jetzt beträgt die Förderleistung 700.000 Barrel pro Tag, ein Niveau, das der Markt frühestens zum Jahresende erwartet hatte. Auch wenn mit einer Leistung von 1,6 Millionen Barrel/Tag nicht vor Mitte oder sogar Ende 2012 zu rechnen ist, hängt die Produktion weiterhin von zahlreichen Faktoren, wie der politischen Stabilität in der Region, ab, berichtet Emmanuel Painchault, Head of Commodities & Infrastructures bei Edmond de Rothschild Asset Management.


Es bestehe nach wie vor die Gefahr, dass der Arabische Frühling noch eine Weile anhalten und andere Erzeugerländer wie Algerien, Syrien und Jemen erfasse, während die Förderleistung in reifen Ländern wie Norwegen, Mexiko und Großbritannien weiter sinke. Technischer Fortschritt und Forschung ermöglichten jetzt zwar die Förderung von Schieferöl, doch wenn der Erdölpreis fallen sollte, dann würde diese zusätzliche Produktion ins Stocken geraten. Von den weltweit insgesamt produzierten 10 Millionen Barrel/Tag Schieferöl entfielen 700.000 Barrel/Tag auf die USA; noch vor drei Jahren seien es null gewesen.


Theoretisch verfüge die OPEC über freie Kapazitäten von über 5,3 Millionen Barrel/Tag. Lasse man jedoch die ungenutzten Kapazitäten in Iran, Libyen und Nigeria unberücksichtigt, so sinke diese Zahl auf 3 Millionen Barrel/Tag gegenüber 3,6 Millionen im Mai 2011. Gleichzeitig würden die Bestände trotz der 60 Millionen Barrel aus strategischen Quellen sinken, die im vergangenen Sommer auf den Markt geworfen worden wären, um den Höhenflug des Ölpreises zu stoppen. Nach unserer Einschätzung werden die Vorräte weiter sinken. In den USA zeichnet sich dieser Trend bereits seit mehreren Wochen ab, so Painchault.


Der Rohölpreis sei mit über 100 USD für die Sorte Brent immer noch hoch. Der Staatshaushalt von Ländern wie Saudi-Arabien sei auf einen relativ hohen Ölpreis von rund 90 USD angewiesen. Daher würden der Wüstenstaat und auch andere OPEC-Mitglieder nicht lange fackeln, um einen möglicherweise sinkenden Ölpreis gegebenenfalls durch Interventionen zu stützen.


Das bedeute, sofern es nicht zu einem Double Dip komme, seien bereits alle Voraussetzungen erfüllt, um den Ölpreis auf über 100 USD zu halten: Winterbeginn, schrumpfende Vorräte und die Fortsetzung des Arabischen Frühlings.


Jüngste Trends an den Eisenerz- und Kupfermärkten


Die Preise für Eisenerz und Kupfer sind in den letzten Monaten deutlich gefallen, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, berichtet Painchault. Allein im September sei der Preis für Eisenerz um über 30 Prozent eingebrochen, von 180 auf 120 USD pro Tonne. Dieser Trend, der sich inzwischen wieder gedreht habe, sei durch einen Käuferstreik ausgelöst worden, der sich an den unterschiedlichen Preisvorstellungen von Verbrauchern und Erzeugern entzündet haben soll. Chinesischen Abnehmern, die vorübergehend den Kauf eingestellt hätten, werde jedoch nichts anderes übrig bleiben, als an den Markt zurückzukehren. Bei einem Preis von 120 USD pro Tonne seien Chinas Produktionsstätten im Übrigen nicht profitabel. Während der vergangenen Tage habe sich der Eisenerzpreis indes erholt. Die Fondsgesellschaft erwarte eine Stabilisierung bei rund 150 USD pro Tonne. Die Kupferpreise sind im September um 30 Prozent gefallen. Grund hierfür war ein vorübergehender Markteffekt; die Fundamentaldaten sind weiterhin solide. Strukturell hat sich die Lage auf dem Kupfermarkt nicht geändert: Durch die Industrialisierung der BRIC-Staaten steigt die Nachfrage, während die Förderung aufgrund geologischer Faktoren, wie dem sinkenden Kupfergehalt, jährlich um 4 bis 5 Prozent zurückgeht. Hinzu kommen weitere Einflussfaktoren wie Minenstreiks, vor allem in Chile, auf das 30 Prozent der weltweiten Förderleistung entfallen. Zudem ist die Kupfernachfrage Chinas in den letzten Jahren eher antizyklisch verlaufen; seit Mitte 2011 steigen die Importe wieder, heißt es weiter.


Gold: anhaltender Höhenflug


Der Faktor, der den Goldpreis derzeit am stärksten begünstige, sei das Niedrigzinsumfeld in den USA und Europa mit zum Teil sogar negativen Realzinsen. Angesichts der ausufernden Staatsschuldenlast würden die Zinsen vorerst kaum steigen. Eine Anhebung würde zahlreichen Ländern den Schuldendienst nahezu unmöglich machen. Die Fundamentaldaten von Gold, also wachsende Investmentnachfrage, steigende Nachfrage seitens der Zentralbanken und die begrenzten Möglichkeiten für eine Ausweitung der Förderleistung, würden unverändert bleiben. Auch wenn die Schmucknachfrage in Indien im dritten Quartal 2011 - nach einem außerordentlich guten ersten Halbjahr - um nahezu 26 Prozent gesunken sei, so habe sie in China um knapp 13 Prozent zugelegt. Im Ergebnis ziehe China bei der Schmucknachfrage jetzt mit Indien gleich und habe den Subkontinent im dritten Quartal sogar mit 139 Tonnen (gegenüber 125 Tonnen in Indien) übertroffen. Von größter Bedeutung seien indes die Käufe durch Zentralbanken, die seit Beginn des Jahres 348 Tonnen ausgemacht hätten, davon 148 Tonnen im dritten Quartal. Bis vor kurzem seien die Zentralbanken vor allem als Nettoverkäufer von Gold aufgetreten. Jetzt gesellten sich neue Käufer aus Russland, China und Indien zu Mexiko, Südkorea und Thailand. Da China derzeit nur 2 Prozent seiner Reserven in Gold halte, werde dieser Zustrom so schnell nicht versiegen. Der Trend gehe eindeutig nach oben. Was die Angebotsseite betreffe, so sei die Förderleistung im dritten Quartal um rund 5 Prozent gestiegen, Recycling von Altgold um etwa 12 Prozent. Trotz des steigenden Goldpreises seien diese Zuwächse allerdings unzureichend.


Enttäuschend ist aus Sicht von Painchault nach wie vor die Entwicklung der Goldminenaktien. Die Aktienpreise für Goldminen hinkten dem Goldpreis immer noch weit hinterher, trotz der in den letzten Jahren um das Zehnfache gestiegenen Margen und der Aussichten auf jährlich steigende Ausschüttungen. Minen, die an die Grenzen ihrer Förderungsleistung stoßen würden, expandierten durch Übernahmen. Die jüngsten Fusionen und Übernahmen seien zu Preisen deutlich über dem Marktwert abgewickelt worden. Dies sei ebenfalls ein Indiz, dass Minenaktien unterbewertet seien. Durch höhere Margen, Dividenden und M&A-Deals dürften nach Meinung des Head of Commodities & Infrastructures auch Goldaktien schließlich im Vergleich zum Goldpreis besser abschneiden.


Marktpositionierung im aktuellem Umfeld


Die Rohstoffnachfrage tendiere langfristig nach oben, infolge der Verstädterung und Industrialisierung in China und künftig auch in Indien. Gleichzeitig würden die natürlichen Rohstoffvorkommen endlich vorkommen. Anleger sollten kurzfristige Marktkorrekturen im Rohstoffsektor daher zum Einstig nutzen oder bestehende Positionen verstärken. Je nach saisonbedingten Nachfragefaktoren und der eigenen Risikoneigung empfehle sich eine Position in Gold von etwa 5-10 Prozent des Portfolios. Bei anderen Rohstoffen sehen wir eine Gewichtung von über 10 Prozent als angebracht. Wir raten eher zu einem indirekten Engagement über Unternehmen, die entweder aktiv im Produktionsbereich oder in der Exploration tätig sind, als zur direkten Anlage in physisches Gold bzw. durch Finanztermingeschäfte. Die Aktien von Rohstofferzeugern profitieren von der höheren Hebelwirkung auf Rohstoffpreise. Das gilt insbesondere für Unternehmen, die ihre Ressourcen ausbauen und Kapazitäten hochfahren können. Insofern bleibt das Thema M&A aktuell in diesem Sektor und trägt zu einer guten Performance bei, so das Fazit.

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