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26.08.2011 14:28 — Barings wartet weiteren Pessimismus ab

Frankfurt (fondsweb.de) - Barings verhält sich auf der Suche nach Märkten eigenen Aussagen zufolge weiterhin extrem vorsichtig, denn den Volkswirtschaften mangele es an Anzeichen für reales Wachstum. Andrew Cole, Director of Asset Allocation, erläutert: Im Moment kommt es mir so vor, als spielten die Märkte eine schlechte Version der Reise nach Jerusalem, und jedes Mal, wenn die Musik aufhört, steht wieder ein neues Land ohne Mittel da. Griechenland war in den vergangenen 18 Monaten ein Serienverlierer, zu dem sich später Irland und Portugal hinzugesellten. Das Tempo hat jedoch vor kurzem stark angezogen, und in jeder neuen Woche wird ein neues Land angefeindet, ohne dass es eine Möglichkeit hätte, sich zu verteidigen. Diese Haltung beobachteten wir gegenüber Italien und Spanien, anschließend gegenüber den USA und kürzlich gegenüber Frankreich.


Die Märkte hätten laut Cole auf die jüngsten Initiativen aus Europa und den USA eine Trotzreaktion gezeigt. Sämtliche politische Initiativen seien zu spät gekommen, es mangele ihnen an umfassender Unterstützung, und aufgrund der geldpolitischen Straffungsmaßnahmen und der Regulierung der Bankbilanzen verstärkten sie eine Wachstumsverlangsamung. Keine dieser Maßnahmen wende sich an die mikroökonomischen Wachstumsbarrieren oder nutze die begrenzten Regierungsressourcen, um dem privaten Sektor einen wirklichen Anreiz für eine Beteiligung zu bieten. Das Vertrauen im gesamten nordatlantischen Raum schwinde. Alle politischen Hebel seien in Bewegung gesetzt worden - Liquiditätsspritzen, Absenkung der Zinssätze auf null und quantitative Lockerung - doch zusammen hätten sie nur sehr wenig erreicht, um reales Wachstum herbeizuführen. Jetzt sehe man geldpolitische Straffungsmaßnahmen, soweit das Auge reiche, denn die Märkte forderten, dass die Regierungen ihren jeweiligen Verschuldungsgrad unter Kontrolle bringen würden.


Insbesondere betont Cole die entmutigenden Zukunftsaussichten Frankreichs: Dies Land hat eine Staatsverschuldung gegenüber dem BIP von 80% und verzeichnet damit einen erbarmungslosen Anstieg der Schuldenquote, die Mitte der 1970er Jahre noch bei 15% lag. Da stellt sich die Frage, wie würde Frankreichs BIP-Wachstumsrate aussehen, wenn die Regierung die Wirtschaftsaktivität nicht kontinuierlich angekurbelt hätte. Beunruhigender für Frankreichs Führungsspitze ist das Wissen, dass sie die begünstigten Interessengruppen in den vergangenen 40 Jahren kein einziges Mal unter die Lupe genommen hat und die öffentlichen Ausgaben nicht einmal phasenweise einem Sparkurs unterworfen wurden. Das jüngste deutsch-französische Abkommen ist möglicherweise ein Schritt nach vorn, doch es ist immer noch weniger als das, was sich der Markt erhofft hatte.


In Bezug auf die USA betont Barings, dass die von den Finanzierungsexperten der amerikanischen Notenbank durchgeführte Umfrage einen Aufwärtstrend zeige; doch das Vertrauen in den USA sei weiterhin fragil, und die Umfrage sei vor den letzten Kongressdramen und der Herabstufung der US-Staatsanleihe durch S&P Durchgeführt worden. Cole hierzu: Die Fed agierte in dem Versuch, die Marktschwankungen einzudämmen, indem sie sich verpflichtete, den Leitzins für mindestens die nächsten weiteren beiden Jahre nahe null zu belassen und darüber hinaus neue Initiativen im Bereich der quantitativen Lockerung öffentlich erörterte. Dies könnte im Vorfeld des jährlichen Symposiums der Fed in Jackson Hole Ende August und der Rede ihres Vorsitzenden Ben Bernanke, überhöhte Erwartungen auslösen. Eine weitere Runde der quantitativen Lockerung in den USA (oder auch in Großbritannien) würde die Märkte kurzfristig sicherlich aufputschen, doch die Investoren würden ihrer Fähigkeit, nachhaltiges Wachstum zu generieren, vermutlich mit äußerster Skepsis begegnen.


Im Hinblick auf die verschiedenen Vermögensklassen, vertritt Barings den Aktien gegenüber weiterhin ein verringertes Engagement aufgrund der Besorgnis über die Wachstumsaussichten und die Ertragssituation der Unternehmen; ein Wechsel der Anlagestrategie zur Monatsmitte sei jedoch nicht ausgeschlossen.


Der Markt könnte sich von dem Fed-Symposium zu viel versprechen; letztendlich ist es gut möglich, dass alle dort beschlossenen politischen Änderungen bereits stattgefunden haben, doch der Markt ihre wahren Implikationen einfach übersehen hat. Angesichts der geringeren Handelsvolumina im August würden wir gern eine etwas überzeugendere Talsohle sehen sowie Anzeichen, dass der Markt die pessimistischeren Aussichten vollkommen eingepreist hat, bevor wir unsere Risikopositionen, wie Aktien, wieder aufstocken, so Cole weiter. Unter bestimmten Bedingungen würde die Fondsgesellschaft diese Positionen jedoch schnell wieder ausbauen, wie zum Beispiel bei einem steilen Abfall der Ölpreise, da ein solches Szenario die Kaufkraft des westlichen Verbrauchers stärken würde. Andernorts würde Barings eine deutliche Initiative zur Ankurbelung der inländischen Nachfrage in China - obgleich nur eine entfernte Möglichkeit - ebenfalls sehr begrüßen.

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