Frankfurt (fondsweb.de) - Die globalen Finanzmärkte zittern aus Sorge um die US-Regierung, weil es Demokraten und Republikanern bis heute () nicht gelungen ist, sich auf die Erhöhung der Schuldengrenze zu einigen. Sofern bis dahin keine höhere Verschuldungsgrenze vereinbart werden kann, könnten die USA schlimmstenfalls nach dem 2. August technisch in Verzug geraten - wenn der Regierung das Geld ausgeht, sodass sie zumindest manche ihrer Rechnungen nicht mehr zahlen kann, schreibt Christopher J. Molumphy, Executive Vice President und Chief Investment Officer von Franklin Templeton Fixed Income.
Angesichts der engen Vernetzung der globalen Finanzmärkte seien die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf festverzinsliche Anlagen schwer vorhersehbar. Die Rendite der zehnjährigen US-Benchmark-Anleihe habe in der vergangenen Woche kaum reagiert, während die Politiker verhandelt hätten, und habe am 22. Juli knapp unter 3% geschlossen. In so niedrigen Renditen schlage sich offenbar der unspektakuläre Konjunkturaufschwung in den USA und (ironischerweise) die Vorliebe der Anleger für solche Anlagen nieder, die im Vergleich zu riskanteren Papieren als sicherer Hafen gelten würden, wie zum Beispiel US-Schatzanleihen. Dessen ungeachtet würde das Ausbleiben einer glaubwürdigen langfristigen Lösung vermutlich die Kreditwürdigkeit der USA infrage stellen, die Kapitalkosten für private und öffentliche Kreditnehmer in die Höhe treiben und so die Erholung der Wirtschaft zusätzlich behindern. Als dieser Kommentar verfasst wurde, war zwar noch genug Zeit, um eine Einigung über die Anhebung der Schuldengrenze zu erreichen, doch hartnäckige Zweifel an einer längerfristigen Lösung für das US-Haushaltsdefizit könnten das AAA-Rating des Landes und den Status von US-Staatspapieren gefährden, die vordem praktisch als risikolos galten und als Messlatte für viele andere Produkte herangezogen wurden, betont Molumphy.
Die größten Marktsorgen
Im Kontext dieser erhöhten Unsicherheit listet Molumphy die größten Sorgen aus seiner Sicht auf:
Ein möglicher Ausfall, wenn die US-Schuldengrenze nicht bald angehoben wird: Zunächst müssen wir zwischen der Schuldengrenze und einem Ausfall unterscheiden. Die Schuldengrenze ist ein etablierter Mechanismus im Rahmen des US-Systems der wechselseitigen Kontrolle. Dass über ihre Erhöhung bis zur letzten Minute diskutiert wird, ist ebenso üblich wie der Einbezug der Politik. Ein Zahlungsausfall dagegen - wenn also die USA Staatsanleihen tatsächlich nicht pünktlich bedienen - ist etwas ganz anderes. Das halten wir für so unwahrscheinlich, dass diese Möglichkeit nahezu vernachlässigbar ist. Wir rechnen mit einer Anhebung der Schuldengrenze kurz vor Mitternacht am 1. August. Selbst wenn dieser Termin überschritten werden sollte, halten wird die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls bei US-Anleihen für verschwindend gering.
Eine mögliche Herabstufung des AAA-Ratings der USA: Die Ratingagenturen haben versucht, die US-Regierung zum Handeln zu animieren, indem sie vor einer Bonitätsverschlechterung warnten. Es besteht sicherlich die Möglichkeit, dass die USA auch nach einer Erhöhung der Schuldengrenze und der kurzfristigen Abwendung einer Katastrophe auf kurze bis mittlere Sicht herabgestuft werden. Potenziell größere Bedeutung als die Einschätzung der Ratingagenturen zur Kreditwürdigkeit der USA hat jedoch der Eindruck der globalen Marktteilnehmer. Es sind am Ende die Inhaber von Anleihen, die den Zins bestimmen, zu dem die USA Kredit erhalten.
Die möglichen Effekte einer Bonitätsherabstufung: In Bezug auf die Ratings gibt es Käufer, die sich danach richten müssen. Eine potenzielle Veränderung der US-Bonität würde sich daher bis zu einem gewissen Grad auf manche Sektoren auswirken. Die wichtigste potenzielle Folge wären unseres Erachtens allerdings langfristig höhere Zinsen in den USA.
Marktvolatilität infolge des ungewissen Ausgangs der Verhandlungen zur Schuldengrenze: Wir rechnen kurzfristig mit Marktvolatilität, bis diese Probleme geklärt sind. Die wichtigste Frage für die nächsten Wochen und darüber hinaus ist unserer Ansicht nach aber, ob es der US-Regierung gelingt, einen überzeugenden langfristigen Plan zur Reduzierung ihrer fortgesetzten Defizitfinanzierung vorzulegen. Schlussendlich ist es die Marktmeinung, die den Zinssatz festlegt, den die USA kurz- und langfristig zahlen müssen. Im Großen und Ganzen kann der Markt echte Veränderungen der Finanzlage eines Landes unseres Erachtens gut von Schlagzeilen und Rhetorik unterscheiden.
Die vermutlichen Folgen von Ausgabenkürzungen auf das ohnehin schwache US-Wachstum und die hohe Arbeitslosigkeit: Drastische Einschnitte der US-Regierung könnten sich sicherlich auf das Wirtschaftswachstum auswirken. Dieses Risiko erkennen die meisten Beobachter für die nähere Zukunft. Infolgedessen weisen die meisten bislang vorgelegten Pläne auf ganz kurze Sicht keine größeren Ausgabenkürzungen auf. Dessen ungeachtet warten die globalen Märkte nach unserem Eindruck mittel- bis längerfristig auf eine glaubwürdige Verringerung der US-Staatsausgaben.
Welche Risiken bestehen?
Bei Anleihen entwickeln sich Kurse und Zinsen nach Meinung von Molumphy gewöhnlich entgegengesetzt. Da sich die Kurse der Anleihen in einem Anlageportfolio an steigende Zinsen anpassen würden, könne der Wert des Portfolios fallen. Veränderungen der Finanzkraft eines Anleiheemittenten oder der Bonitätsbewertung einer Anleihe könnten sich auf deren Wert auswirken.
