Frankfurt (fondsweb.de) - Im Berichtsquartal entwickelten sich die Aktienmärkte zunächst positiv. Nach zwei aufeinanderfolgenden Monaten mit Nettoabflüssen drehten die Kapitalströme in die Schwellenmärkte im April ins Plus. Im Mai verzeichneten die Märkte aber eine Trendwende, als sich die Aufmerksamkeit auf die Umschuldungsprobleme in der Eurozone verlagerte. Angesichts der Sorge vor einem möglichen Übergreifen der Schuldenkrise auf größere Volkswirtschaften wie Spanien und einer Herabstufung der griechischen Bonität zeigten sich die Investoren zunehmend risikoscheu, berichtet Dr. Mark Mobius, Executive Chairman der Templeton Emerging Markets Group. Die verzögerte Auszahlung von Mitteln der Europäischen Union (EU) an Griechenland habe im Zusammenspiel mit politischer Unsicherheit in dem Land im Juni zu verstärkter Marktvolatilität geführt. Ein erneuter Marktumschwung sei erfolgt, als Premierminister Giorgos Papandreou das Vertrauen ausgesprochen worden sei, das griechische Parlament Sparmaßnahmen verabschiedet und die EU für Juli neuerliche Finanzhilfen zusagt habe. Unter diesen Bedingungen hätten die Schwellenländer das Quartal in US-Dollar mit einem Minus von 1,0% abgeschlossen.
Ausblick
Marktvolatilität ist heute eine Realität und angesichts des fortgesetzten Wachstums im Kredit- und Derivatesektor dürfte sie künftig noch zunehmen. Wie es scheint, hat der Begriff Volatilität seine eigentliche Bedeutung in den letzten Jahren eingebüßt. Viele Marktteilnehmer meinen damit einen Abwärtstrend oder Bärenmarkt. Dabei findet Volatilität in beide Richtungen statt, nach oben und nach unten, und kann durchaus auch vorteilhaft sein, da sie Investoren Gelegenheit gibt, Aktien bei starken Kurseinbrüchen billig zu kaufen und nach kräftigen Ausschlägen teuer zu verkaufen, so Mobius weiter. Einer der Gründe für das aktuelle (und wohl auch künftige) Volatilitätsniveau sei der sporadische Missbrauch von Derivaten. Dieser habe 2008 wesentlich zur globalen Finanzkrise beigetragen und es würden immer noch Derivate eingesetzt. Der Gesamtwert aller globalen Derivate belaufe sich Ende 2010 auf über 600 Bio. US-Dollar. Das sei das Zehnfache des globalen Gesamt-BIP.
Wir können nicht genau vorhersagen, wann uns die nächste Marktkorrektur bevorsteht, und wir wissen auch nicht, wie groß sie ausfällt, doch etwas ist uns klar: Es wird weiterhin Volatilität geben. Nur wenige der Ursachen für die Finanzkrise von 2008 sind inzwischen ausgeräumt - die Banken sind größer denn je, der Markt für Derivate wächst weiter und komplexe Derivate sind nach wie vor weitgehend intransparent und illiquide. Dass die internationale Politik auf globale Regulierungsstandards hinarbeitet, macht Mut, doch solange diese Probleme nicht wirklich und langfristig gelöst sind, dürfen wir eine weitere durch Derivate ausgelöste Finanzkrise nicht ausschließen, schreibt Mobius.
Wir können uns aber an das alte englische Sprichwort halten und das Beste hoffen, während wir uns aufs Schlimmste einstellen. Jede Krise birgt auch enorme Chancen. Wir versuchen daher, weiterhin mit langfristigem Horizont in Unternehmen zu investieren, die unseres Erachtens unterbewertet, fundamental stark und wachstumsintensiv sind und heikle Phasen überstehen können, so Mobius. Der langfristige disziplinierte Bottom-up-Investmentansatz habe die Fondsgesellschaft bislang erfolgreich über die Volatilität hinweg gerettet und könne sie nach ihrer Überzeugung auch durch potenzielle Krisen und Korrekturen bringen.
