Frankfurt (Fondsweb.de) - Auf den letzten Drücker schafften es die Südafrikaner doch noch, Stadien, Straßen und Sportlerunterkünfte für die 19. Fußballweltmeisterschaft fertigzustellen. Am 11. Juni 2010 begrüßten sie nicht nur 32 Mannschaften, sondern auch mehr als eine Million Touristen. Damit die Spiele überhaupt stattfinden konnten, investierten Staat und Wirtschaft weit mehr als 40 Milliarden Euro in die Infrastruktur, schreibt die Fondsgesellschaft Invesco Asset Mangement GmbH in einem aktuellen Kommentar.
Weltweit riesiger Bedarf
Für die Republik am Kap sei dies ein beispielloser Kraftakt gewesen, der den Brasilianern erst noch bevorstehe, die die nächsten Spiele ausrichteten. Die Milliarden, die in den Bau von Stadien gesteckt würden, seien freilich nur ein kleiner Teil der Gesamtinvestition in Infrastruktur. Weltweit, so schätzt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), summiere sich der Bedarf bis 2030 auf 50 Billionen Euro. Allein für Straßen müssten die 34 OECD-Länder, zu den nicht nur Industrienationen wie Deutschland und Japan gehörten, sondern auch Schwellenländer wie Mexiko, pro Jahr mehr als hundert Milliarden Euro ausgeben. Ob sie dafür auch tatsächlich Mittel lockermachten, stehe auf einem anderen Blatt. Für die Energieversorgung seien vergleichbare Summen aufzuwenden. Richtig teuer werde es indes, die Milliarden von Menschen mit Wasser zu versorgen. Die OECD schätze die nötigen jährlichen Investitionen auf deutlich mehr als 300 Milliarden Euro. Dazu gehörten neben der Kanalisation Klär- und Entsalzungsanlagen sowie Pumpspeicherwerke.
Des einen Leid, des anderen Freud - Konzerne wie Siemens, ABB, Veolia und Sulzer profitierten bereits von steigenden Auftragseingängen. Siemens beispielsweise habe deswegen sogar eine neue Sparte gegründet, die Mega-Citys helfen solle, ihre Infrastruktur effizienter zu organisieren. Konzernchef Peter Löscher hat sich offensichtlich die Statistiken genau angesehen und daraus seine neue Strategie abgeleitet: Die Zahlen von OECD und anderen internationalen Institutionen besagen, dass schon heute über die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten lebt, in einem Jahrzehnt werden es noch weit mehr sein. Die Verstädterung ist nicht aufzuhalten. Gerade Städte brauchen Infrastruktur. Dabei geht es nicht nur um mehr vom Gleichen, sondern auch um Umorientierung, so Invesco.
Industrieländer modernisieren
Neben den Schwellenländern, die zunächst überhaupt eine funktionierende Infrastruktur aufbauen müssten, seien die Industrieländer gezwungen, Straßen und Brücken sowie Kraftwerke zu modernisieren. Großbritanniens Hauptstadt London beispielsweise wollel den Autoverkehr reduzieren und die Elektromobilität fördern. Um das erste Ziel zu erreichen, habe London bereits 2003 eine Automaut von umgerechnet elf Euro pro Tag eingeführt. Wer sich nicht daran halte, zahle eine hohe Strafe. Seitdem habe sich die Zahl der Fahrzeuge um rund 60 000 reduziert. Um das zweite Ziel zu erreichen, soll Siemens laut Invesco bis 2013 rund 1 300 Ladestationen für Elektroautos installieren. Parallel dazu baue die Londoner City ihr Nahverkehrssystem aus und stelle die Busse beispielsweise auf Hybridantrieb um.
Neben diesen geplanten Umbauten bestehender Infrastruktur machten noch Ereignisse wie die Tragödie in Japan, die ganze Landstriche verwüstete, einen Wiederaufbau nötig. Hierzulande dürfte die eingeleitete Energiewende neue Impulse für den Infrastruktursektor bringen, denn die Umorientierung in Richtung erneuerbare Energien zwinge Deutschlands Versorger, neue Stromleitungstrassen zu bauen und die Atomkraftwerke durch Photovoltaik, Windturbinen und Geothermie zu ersetzen.
Für Anleger, die an diesem Trend partizipieren wollen, empfehle es sich deshalb, auf Infrastrukturfonds zu setzen, um Chancen zu nutzen und Risiken zu minimieren. Einige Fondsgesellschaft hätten das Potenzial längst erkannt und spezielle Produkte aufgelegt. Die Fonds investierten in Aktien von Unternehmen aus den Bereichen Versorgung, Transport, Verkehr und Kommunikation. Ferner gehörten zum Portfolio oft Rohstoffkonzerne, Anlagenbauer sowie Industrieunternehmen und Immobilienkonzerne. Beim Asia Infrastructure von Invesco beispielsweise fänden sich unter den größten Positionen Werte wie der australische Rohstoffriese BHP Billiton, der koreanische Mischkonzern LG Chem, die chinesische Ölgesellschaft CNOOC, Rio Tinto und das Industriekonglomerat Hutchison Whampoa aus Hongkong. Der Investitionsschwerpunkt liege in Asien. Mit 26 Prozent spiele China die Hauptrolle, Korea habe einen Anteil von rund 15 Prozent, Indien 8,5 Prozent. Australien als Rohstofflieferant sei ebenfalls vertreten.
