Frankfurt (fondsweb) - Chinas Bankenaufsicht fordert von den fünf größten Banken eine Quote für eine angemessene Eigenkapitalausstattung von 11,5%. Einem Pressebericht zufolge soll sie die Quote auf 11,8% erhöht haben. Unabhängig davon, ob der Bericht stimmt oder nicht, kann am Ende des ersten Quartals 2011 die Gesamtquote der großen Banken die erhöhten Anforderung von 11,8% erfüllen. Oder die Banken können sie durch die Emission nachrangiger Schuldtitel erfüllen. Daher sind wir nicht besorgt, dass die großen Banken zusätzliche Gelder am Markt aufnehmen müssen. Bei den kleineren Banken hingegen erwartet der Markt sehr wohl eine Kapitalaufnahme, da ihre Kapitaladäquanz unter dem Minimum von 11,8% liegt. Sie haben bis Ende 2016 Zeit, um diese Quote zu erreichen. Auch wenn die kleineren Banken von nun an bis 2016 mehr Geld aufnehmen müssen, erwarten wir nicht, dass dadurch die Aktienkurse der Großbanken unter Druck geraten, berichtet Mandy Chan ist die Fondsmanagerin des HSBC GIF Chinese Equity Fonds (263211, 972629).
Die Fondsgesellschaft ziehe den Bankensektor insgesamt weiterhin vor, da die Bewertungen im Vergleich zum Gesamtmarkt sehr niedrig seien. Zudem halte sie chinesische Bankaktien trotz der Marktvolatilität und der Sorge um das globale Wirtschaftswachstum für defensiver als Sektoren mit einem höheren Beta wie Rohstoffe und Immobilien. Bankaktien hätten den Gesamtmarkt bei der Performance in diesem Jahr klar geschlagen. Daher bleiben wir hier übergewichtet. Nichtsdestotrotz werden wir wahrscheinlich unsere Übergewichtung zurückfahren, wenn die Banken ihre Ergebnisse für die erste Jahreshälfte präsentiert haben. Die Nettozinsspanne der Banken könnte in der zweiten Jahreshälfte leicht zurückgehen, da die Regierung den Mindestreservesatz wohl weiter anheben wird. Seit 2010 hat sie den Satz elf Mal und die Zinsen vier Mal erhöht, um die Inflation unter Kontrolle zu bringen und überschüssige Liquidität vom Markt abzuschöpfen. Dennoch schätzen wir den Bankensektor auf lange Sicht, so Chan weiter.
Dem Immobilien-Sektor begegne die Fondsgesellschaft schon seit Ende vergangenen Jahres mit Vorsicht. Wir haben erwartet, dass die Regierung ihre Maßnahmen verschärfen wird, um den Anstieg der Immobilienpreise zu stoppen und den Inflationsdruck zu reduzieren. Die Regierung hat seitdem Restriktionen für den Immobilienerwerb in 30 Städten erlassen, die sich auf die Immobilientransaktionen im ganzen Land auswirken. Seit die Auflagen im Februar verkündet wurden, sind die Immobilienverkäufe in einigen Städten zurückgegangen. Unsere präferierten Immobiliengesellschaften haben allerdings viele Projekte in B- und C-Städten. Die Immobiliennachfrage bleibt an diesen Standorten hoch, da die Preise dort weit hinter denen der A-Städte liegen, schreibt Chan. Für alle Immobiliengesellschaften im Fonds erwarten sie ein zweistelliges Umsatzwachstum in diesem Jahr. Tatsächlich hätten die Unternehmen bereits 70% ihres Umsatzziels für dieses Jahr erreicht, so dass die Gewinnaussichten relativ hoch seien.
Wir glauben, dass die Korrektur der globalen Rohstoffpreise - vor allem der Edelmetallpreise - auf die kurzfristige Erholung des US-Dollars zurückzuführen ist. Der Kauf von Rohstoffen ist dadurch teurer geworden, da sie in US-Dollar gehandelt werden. Trotz der Korrektur sind die Zementpreis in China im April weiter gestiegen. Daher rechnen wir auch künftig mit einem Anstieg des Bruttoertrags bei den Zementfirmen. Eine Reihe von Zementunternehmen musste ihre Produktion vorübergehend aussetzen. Aufgrund der Dürre konnte in einigen Provinzen die Energieversorgung nicht aufrecht erhalten werden. Das hat das Zementangebot in China weiter verknappt, und die Preise sind in der Folge gestiegen. Wir sind zuversichtlich, dass der Sektor immer noch viel Potenzial für Gewinnwachstum bietet. Denn die Bewertungen sind nicht übertrieben: Zementaktien werden zu einem einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnis gehandelt, so Chan. Die Gewinne hätten sich seit vergangenem Jahr aber bereits verdoppelt. Aufgrund all dessen halte die Fondsmanagerin den Sektor weiterhin für äußerst attraktiv.
Die Wachstumsrate bei den Einzelhandelsumsätzen sei sehr stabil. In den vergangenen zwei Jahren habe die Steigerungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat immer bei 15 bis 20% gelegen. Tatsächlich sei bisher unter den makroökonomischen Schlüsselfaktoren des Landes das Umsatzwachstum im Einzelhandel einer der stabilsten Faktoren gewesen. Andere Faktoren wie der Export oder die Anlageinvestitionen hätten hingegen stärker geschwankt, da sie von politischen Entscheidungen abhängig seien. Gleichzeitig bleibe die Sparrate in China auf einem hohen Stand im zweistelligen Bereich. Bei den Reichsten liege sie sogar zum Teil über 63%. Aufgrund des starken und stabilen Umsatzwachstums im Einzelhandel und der hohen Sparrate halten wir den Luxus-Sektor weiterhin für äußerst attraktiv. Wir glauben, dass Investoren auch künftig bereit sein werden, für Aktien dieses Sektors eine Prämie zu zahlen, so Chans Prognosen.
Chinesische Aktien seien sehr attraktiv bewertet. Die Fondsgesellschaft erwarte, dass die Inflation im Zeitraum von Juni bis August ihren Höhepunkt erreichen werde. Als Folge könnte der geldpolitische Kurs wieder gelockert werden. Sobald die Regierung das Ende der Straffung signalisiere, könnte sich der Aktienmarkt in der zweiten Jahreshälfte kräftig erholen. Die Sorge, dass das Wachstum nachlassen könnte, habe den Markt schwächeln lassen. Aber gerade jetzt würde die Fondsgesellschaft kaum Gewinnrisiken sehen für jene Aktien oder Sektoren, die von HSBC bevorzugt würden- wie Zement- oder Immobiliengesellschaften. Sobald sich bestätige, dass die Inflation ihren Höhepunkt erreicht habe, sei ein guter Zeitpunkt, um verstärkt solche Aktien zu kaufen, die während der Korrektur runtergegangen seien.
Die Outperformance sei auf die Bottom-up-Einzeltitelauswahl zurückzuführen. Im Portfolio seien einige sehr starke Aktienwetten, die aufgegangen seien. Zudem haben die von uns zu Jahresanfang bevorzugten Sektoren wie Banken, Zement und alternative Energien zur überdurchschnittlichen Entwicklung beigetragen, berichtet Chan. Zu Jahresbeginn habe kaum jemand geglaubt, dass das Gewinnwachstum dieser Sektoren positiv überraschen könnte. Bei Gewinnrevision läge klar über dem Markt. Die Untergewichtung des Telekommunikationssektors sei ebenfalls hilfreich gewesen.
