Frankfurt (fondsweb) - Nach Einschätzung der Analysten von BNP Paribas Investment Partners zählen die Emerging Markets weiterhin zu den Wachstumsmotoren der Weltwirtschaft. Trotz restriktiver Geldpolitik erzielten sie im 1. Quartal 2011 Wachstumsraten von durchschnittlich 7%, so die Fondsgesellschaft. Dank ihrer soliden Fiskalpolitik stehen die Schwellenländer im Gegensatz zu vielen Staaten der Europäischen Union verhältnismäßig gut da, sagt Reinhold Knaus, Senior Economist und Portfoliomanager bei BNP Paribas Investment Partners in Frankfurt. Sie verfügten über bessere Fundamentaldaten und eine niedrigere Schuldenquote, so dass sie ihre ohnehin geringeren Haushaltsdefizite wesentlich leichter bekämpfen könnten. Selbst die Finanzkrise, die viele industrialisierte Märkte hart getroffen habe, wäre von den Schwellenländern deutlich besser verkraftet worden, falls sie überhaupt von der Krise betroffen getroffen gewesen seien.
Viele Anleger hätten zuletzt ihre Gelder aus den Schwellenländern abgezogen, zumeist aufgrund der erhöhten Inflationsrisiken. Insbesondere die steigenden Rohstoffpreise haben die Inflation in den Emerging Markets vorangetrieben. Die betroffenen Länder haben die Gefahr erkannt und entsprechende Gegenmaßnahmen verstärkt, so Knaus. Die Erhöhung der Leitzinssätze, insbesondere in den BRIC-Staaten China und Brasilien, drückt nun allerdings auf die Aktienrenditen. Langfristig gesehen ist das Wachstum aber robust und die Preisspirale bei Rohstoffen wird sich voraussichtlich nicht weiter drehen. Dennoch bleibt die Bekämpfung der Inflation eine der großen Herausforderungen für die Schwellenländer. Diesen Risiken stehen aber nach wie vor die positiven Aussichten aufgrund der starken Wachstumsdynamik dieser Länder gegenüber.
Solide Fiskalpolitik und soziale Programme gegen Inflationsrisiken
Der Blick nach Asien, besonders nach China, zeige, dass dort die richtigen Weichen für ein weniger überhitztes Wachstum gestellt würden. Ein Faktor, der zum Ausbruch der politischen Unruhen im arabischen Raum geführt habe, sei beispielsweise die Explosion der Preise für Nahrungsmittel gewesen. Daraus habe die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ihre Konsequenzen gezogen. China verabschiedete Mitte März einen Fünfjahresplan, der dringende Themen wie Armut und Umweltschutz anpackt. Konkret heißt das, dass der Kampf gegen die Preisexplosion, die stärkere Ausbalancierung der Binnennachfrage und die Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen Chinas Politik in den nächsten fünf Jahren bestimmen wird, erläutert Knaus.
Emerging Markets sind mehr als nur BRIC
Mit einer starken Wachstumsdynamik rechnen die Analysten von BNP Paribas IP auch in weiteren Emerging Markets: Nach der BRIC-Euphorie rücke jetzt die zweite Reihe der Schwellenländer in den Blickpunkt - die so genannten Next Eleven. Zu ihnen gehörten unter anderem die IST-Staaten (Indonesien, Südafrika, Türkei), Südkorea, das vom starken Export nach China und Europa profitiere, sowie Taiwan, wo das gestiegene Verbrauchervertrauen die Binnennachfrage stütze.
Breite Diversifizierung durch Länderallokation und Asset-Klassen
Die weltwirtschaftliche Bedeutung der Schwellenländer steige seit Jahren kontinuierlich an. Rund 48% des Wachstums des Welt-Bruttoinlandprodukts würden bereits aus den Emerging Markets und den Entwicklungsländern kommen. Nach Einschätzung des IWF würden sie die Industrieländer wahrscheinlich in zwei bis drei Jahren überholen. Die Wachstumsimpulse kämen überwiegend aus Asien, allein China habe einen Anteil von fast 10% am Welt-Bruttoinlandsprodukt (BIP auf Basis der Kaufkraftparitäten). Treibende Kräfte seien der wachsende Kapitalstock, gut ausgebildete Arbeitskräfte und der technische Fortschritt. Ein weiterer Vorteil der Schwellenländer liege in ihrer Vielseitigkeit: So habe Asien beispielsweise ein starkes Industriepotenzial, Lateinamerika profitiere von seinen Bodenschätzen und Osteuropa überzeuge mit einer starken Aufbauleistung seit dem Zusammenbruch der kommunistischen Regime.
