Frankfurt (fondsweb) - Zum ersten Mal seit Oktober 2009 bieten sich für Investoren an den Emerging Markets interessante Gelegenheiten zum Ausbau ihrer Positionen. Damit haben sie in den nächsten Quartalen durchaus Grund zur Zuversicht. Dank positiver Überraschungen in Europa, Stimmungsumschwung hinsichtlich China sowie einer realistischeren Konsenseinschätzung des weltwirtschaftlichen Wachstums sind die Perspektiven jetzt freundlicher. So die Einschätzung von Maarten-Jan Bakkum, Global Emerging Markets Strategist bei ING Investment Management Europe, Den Haag. "Von Oktober 2009 bis Juni 2010 hatten die Emerging Markets vor allem mit drei Problemen zu kämpfen: Die globalen Vorlaufindikatoren näherten sich ihrem höchsten Stand, die Angst der Anleger vor einer übermäßigen Straffung der chinesischen Wirtschaftspolitik und die Staatsschuldenkrise in der Eurozone. Die daraus folgenden Marktrisiken bzw. die Relevanz dieser drei Themen sind in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen", sagt Bakkum.
Mittlerweile hätten die wichtigsten Vorlaufindikatoren ihren Höchststand hinter sich und die Anleger hätten sich überwiegend mit der nachlassenden konjunkturellen Dynamik abgefunden. Dass sich die Wachstumsentwicklung verlangsame, lasse sich nicht bestreiten. Ebenso wenig lasse sich das Risiko eines Rückfalls in die Rezession leugnen. Doch die Aktienmärkte seien immer dann am anfälligsten für Wachstumsängste, wenn auch die Wachstumserwartungen am größten sind. "Wir haben diesen Punkt bereits hinter uns. An den Aktienmärkten der Schwellenländer fanden in diesem Jahr zwei tiefgreifende Korrekturen statt: im Januar/Februar (13 %) und im April/Mai (18 %). Während zu Beginn des Jahres noch ein 30 %iges Gewinnwachstum in den Schwellenländern prognostiziert wurde, fallen die Prognosen mit 20 Prozent jetzt bescheidener aus", teilt der Experte mit.
Auch die Angst vor einer geldpolitischen Straffung in China und einer Verlangsamung des Wachstums im Wirtschaftswunderland sei weitgehend verebbt. Sowohl Kreditwachstum und Geldmengenwachstum würden jetzt wieder in etwa dem Langzeitdurchschnitt entsprechen. Die Häuserpreise kletterten jetzt nicht mehr ganz so schnell und die Wirtschaftstätigkeit lege insgesamt eine moderatere Gangart ein. "Insofern können wir davon ausgehen, dass das Risiko einer weiteren wirtschaftspolitischen Straffung in China praktisch gegen null geht", so Bakkum. Überdies sei die Marktstimmung im Hinblick auf China in den letzten Wochen umgeschlagen. Investoren würden bereits wieder von einer Lockerung der chinesischen Wirtschaftspolitik ausgehen.
"Das dritte Thema, das die Anlegerschaft 2010 in Atem hielt - die europäische Schuldenkrise -, ist zum Teil wieder in den Hintergrund gerückt. Die Einrichtung eines Rettungsfonds für angeschlagene EWU-Mitglieder sowie die Bereitschaft der EZB, Problemanleihen aufzukaufen, falls deren Renditen allzu stark in die Höhe schießen, haben bereits einen Großteil der negativen Einflüsse aufgefangen", heißt es. Auch die unerwartet guten Wachstumszahlen aus der Eurozone sowie die ersten Hinweise auf schrumpfende Haushaltsdefizite der südlichen EWU-Mitglieder hätten die Situation teilweise entschärft. Wenn auch die Probleme der Eurozone bei weitem noch nicht gelöst seien, so sei die Bedrohung, die die Krise für die globalen Aktienmärkte darstellte, wohl vorerst gebannt.
"Um von der freundlicheren Stimmung im Hinblick auf die Eurozone zu profitieren, könnten Anleger jetzt ihr Engagement in osteuropäischen Titel ausbauen", so Bakkum weiter. Auch die jüngsten Entwicklungen in China rechtfertigten generell eine optimistischere Risikoeinschätzung und würden die Attraktivität der Rohstoffmärkte heben.
