London (fondsweb) - "In den vergangenen Monaten grassiert die Ungewissheit. Einerseits gab es wenig aussagefähige Konjunkturdaten und vorsichtige Aussagen seitens der US-Notenbank, andererseits jedoch optimistische Quartalsergebnisse", berichtet Francis Gannon, Principal bei der Legg Mason Tochtergesellschaft Royce & Associates, im aktuellen Marktkommentar. Diese uneinheitlichen Botschaften seien Teil starker Gegenströmungen, in denen Anleger während dieser anfälligen Konjunkturerholung navigieren müssten. Das leichte Absacken der Weltkonjunktur und das allgemeine Misstrauen gegenüber den wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Stunde schürten die Angst vor einem erneuten W-förmigen Konjunkturverlauf.
"Kein Zweifel, wir haben es mit einer länger anhaltenden Marktvolatilität zu tun, während derer langfristige Deflationskräfte auf wiederkehrende Runden von Reflation stoßen, einer Phase in der Notenbanken die Geldmenge erhöhen und Steuern senken", so Gannon. Rekordverdächtige Liquiditätspolster im Unternehmenssektor seien vielleicht der beste Ausdruck für die aktuelle Unsicherheit in der Beurteilung des wirtschaftlichen Umfelds.
"Zu verstehen, wie einzelne Unternehmen ihr Kapital einsetzen, war von jeher ein entscheidender Bestandteil unseres Anlageprozesses. Heute gilt dies umso mehr, als sich die Unternehmensbilanzen in überwiegend gutem Zustand präsentieren und vielfach hohe Liquiditätspositionen ausweisen", erläutert der Experte. Entscheidern stelle sich nach wie vor die Frage, wie sie angesichts der unklaren Wachstumsprognosen und der starken Unsicherheit im aktuellen Umfeld Richtlinien für strategische Kapitalallokationen erstellen sollten.
Aus diesem Grund würden viele Unternehmen Überschussliquidität halten, von der sie sich bislang nur ungern trennten. "In einem kürzlich erschienenen Bericht erläutert Ned Davis Research, dass Unternehmen Ende des ersten Quartals 2010 einen Rekordbestand von 14,6 % ihres Vermögens an Geldmitteln hielten. Und nach Angaben von Steven DeSanctis, Managing Director bei Bank of America Merrill Lynch, betrug der Geldmittelbestand der im Russell 2000-Index vertretenen Firmen mit Ausnahme der Finanzunternehmen Ende des zweiten Quartals 19,8 % der Marktkapitalisierung", heißt es. Tatsächlich säßen Gesellschaften im zyklischen Konsumgütersektor, im Gesundheits- und im Informationstechnologiesektor auf prall gefüllten Kassen mit jeweils mehr als 20 % ihrer Marktkapitalisierung.
"Zum Vergleich: als sich der Russel 2000-Index am 13. Juli 2007 seinem zyklischen Höhepunkt näherte, hielten die im Index vertretnen Unternehmen mit Ausnahme der Finanzunternehmen nach unseren Analysen 11,6 % ihrer Marktkapitalisierung in flüssigen Mitteln. Unternehmen mit stabilen, unterdurchschnittlich gehebelten Bilanzen und der Fähigkeit, Überschussliquidität zu erwirtschaften sind für uns seit jeher attraktiv", berichtet Gannon. In dem heutigen Umfeld, in dem die Zinsen beinahe Null betragen, werde Überschussliquidität - das heißt in der Bilanz ausgewiesene Liquidität, die das Unternehmen nicht für seinen Betrieb, sein Wachstum oder Reinvestitionen benötige - zum ertragslosen Vermögenswert. Dieser könnte bei kluger Verwendung die Gesamtkapitalrendite eines Unternehmens erhöhen und damit letztendlich ertragssteigernd wirken. "Obwohl die hohen Liquiditätspolster der Firmen Ausdruck der aktuellen Unsicherheit sind, haben sie vermutlich auch unbeabsichtigte Folgen, denn nach unserem Dafürhalten befinden wir uns an der Schwelle zu einem starken M&A-Zyklus", heißt es weiter.
"Wir kennen nicht den Auslöser, der Vertrauen und ein positiveres Konjunkturumfeld schafft, in dem Unternehmen ihre ungenutzten Liquiditätsreserven einsetzen können. Aber wir sind weiterhin davon überzeugt, dass die Aktionäre qualitativ hochwertiger Unternehmen mit stabilen Bilanzen profitieren sollten, sobald diese Veränderung eintritt", betont der Spezialist. Aktuell scheine die Welt im täglichen Hin und Her zwischen gesamtwirtschaftlichen und unternehmensspezifischen Aspekten gefangen, das im Kern für die aktuelle Unsicherheit verantwortlich sei. "In diesem Umfeld vertrauen wir weiterhin auf unseren Anlageansatz und unsere Fähigkeit, qualitativ hochwertige Unternehmen mit niedriger Marktkapitalisierung zu identifizieren, die deutlich unter ihrem Wert gehandelt werden", so Gannon abschließend.
