Luxemburg (fondsweb) - Die Aktienmärkte der Schwellenländer erholten sich im Juli. Gründe für das gestärkte Vertrauen waren unter anderem unerwartet gute Unternehmensergebnisse und positive Wirtschaftsdaten gewesen. Höhere Rohstoffpreise und gegenüber dem US-Dollar gestiegene Lokalwährungen stützten die Wertentwicklung der Märkte zusätzlich. Der MSCI Emerging Markets Index gewann in US-Dollar 8,4 %. Weil sich die Regionalwährungen und die Rohstoffpreise erholten, lagen unter anderem die Märkte in Osteuropa und Lateinamerika mit zweistelligen Erträgen an der Spitze. Der südafrikanische Markt rentierte in US-Dollar 12,6 %, da er vom verstärkten globalen Engagement und von der erfolgreichen Ausrichtung der Fußball-WM 2010 profitierte. Trotz rekordhoher Gewinne schnitten die asiatischen Märkte dagegen schwächer ab, da das regionale BIP und die Produktionssteigerungsraten nachließen. Südkorea, Pakistan, Taiwan und Singapur zeigten sich im Regionalvergleich überlegen, während Angst vor einer Überhitzung und steigender Inflationsdruck dafür sorgten, dass der indische Markt den Monat praktisch unverändert beschloss. Dies geht aus einem aktuellen Kommentar von Dr. Mark Mobius, Executive Chairman, Templeton Asset Management Ltd. zu den Emerging Markets hervor.
Aktuelles aus den Regionen
Die chinesische Wirtschaft habe im 2.Quartal 2010 gegenüber dem Vorjahr um 10,3 % zugelegt. Im 1. Quartal 2010 hätte das BIP-Wachstum noch 11,9 % betragen. "Damit belief sich die Wachstumsrate für das erste Halbjahr auf robuste 11,1% im Jahresvergleich und fiel deutlich höher aus als die in der ersten Jahreshälfte 2009 verzeichneten 7,4 %. Wichtigster Wachstumstreiber war der Infrastruktursektor. Ein Aufleben der Nachfrage im Aus- und Inland stützte die Wirtschaft zusätzlich. Außerdem ließ der Inflationsdruck nach, weil die Transport- und Kommunikationskosten fielen", berichtet Mobius. Angaben zufolge erhöhten sich die Verbraucherpreise im Juni im Jahresvergleich um 2,9 % gegenüber 3,1 % im Mai. Eine Erholung der Exporte in den letzten Monaten habe die Regierung dazu gebracht, die Exportrabatte zu streichen, die bei Einsetzen der globalen Krise 2008 eingeführt worden waren.
"Das südkoreanische BIP wuchs in den im Juni 2010 abgelaufenen drei Monaten mit 7,2 % im Jahresvergleich unerwartet schnell. Die Markterwartungen wurden damit zwar übertroffen, doch die im 1. Quartal des Jahres erreichte Expansion von 8,1 % gegenüber dem Vorjahr verfehlt", heißt es. Südkoreas kräftiger Wirtschaftsaufschwung habe die Zentralbank im Berichtsmonat zur ersten Zinsanhebung seit Beginn der globalen Finanzkrise 2008 veranlasst. Der Leitzins wurde laut Mobius um 25 Basispunkte (0,25 %) auf 2,25 % heraufgesetzt. "Im Rahmen der Bemühungen um eine Verbesserung der Handels- und der Wirtschaftsbeziehungen zu Südkoreas globalen Partnern besuchte Präsident Lee Myung-bak im Juli Kanada, Panama und Mexiko", schreibt die Gesellschaft.
Die indische Notenbank (Reserve Bank of India) habe ihre Politik weiter verschärft - mit zwei Zinsschritten im Juli, die aufgrund von Inflationssorgen erfolgten. "Der umgekehrte Repo-Satz wurde insgesamt um 75 Basispunkte (0,75 %) auf 4,5 % erhöht, der Repo-Satz um 50 Basispunkte (0,5 %) auf 5,75 %. Rege Inlandsnachfrage heizte den Inflationsdruck weiter an. Die Großhandelspreise stiegen im Juni gegenüber dem Vorjahr um 10,6 %, im Mai waren es 10,2 % gewesen", heißt es weiter. Der Handelssektor habe erneut kräftiges Wachstum verzeichnet. Die Exporte nahmen nach Angaben der Gesellschaft im Juni im Jahresvergleich um 30,4 % auf 17,7 Mrd. US-Dollar zu. Auch die Importe hätten mit einem Anstieg von 23 % gegenüber dem Vorjahr zweistelliges Wachstum verzeichnet. "Daraus ergab sich mit 32,3 Mrd. US-Dollar ein größeres Handelsdefizit als im Juni 2009 mit 23,5 Mrd. US-Dollar", so der Experte.
Die brasilianische Regierung habe im Zuge der Vorbereitungen des Landes auf die Ausrichtung der Fußball-WM 2014 Pläne zur Investition von 18,7 Mrd. US-Dollar in Infrastrukturentwicklung angekündigt. Brasilien sei auch Gastgeberland der Olympischen Spiele 2016, die in Rio de Janeiro stattfinden. Zwei solche Ereignisse von Weltrang würden nicht nur Brasiliens Image und seinen Reiz für ausländische Investoren verbessern, sondern auch die heimische Wirtschaft durch höhere Investitionen und mehr Konsum, Beschäftigung und Tourismus fördern. "Die Zentralbank straffte die währungspolitischen Zügel weiter, indem sie den Leitzins um 50 Basispunkte (0,5 %) auf 10,75 % heraufsetzte. Die Verbraucherpreise stiegen im Juni im Jahresvergleich um 4,8 %, was in etwa dem im Mai gegenüber dem Vorjahr verzeichneten Anstieg entsprach und niedriger war als die im April verbuchten 5,3 %", heißt es weiter. Die rückläufige Inflation könnte zur Beruhigung von Überhitzungssorgen in der Wirtschaft beitragen.
In Südafrika hätten die gemeldeten Daten im Juli auf eine Erholung der Inlandsnachfrage hingewiesen. Der private Konsum habe infolge höherer Einkommen und niedrigerer Zinsen zugenommen. Er habe sich in den ersten drei Monaten 2010 gegenüber dem Vorquartal um 5,7 % erhöht. "Im letzten Quartal 2009 waren es im Vergleich 1,6 % gewesen. Die Inflation hielt sich auf dem tiefsten Stand seit knapp vier Jahren und blieb im Zielband der Zentralbank von drei bis sechs Prozent", betont Mobius. Hauptsächlich aufgrund niedrigerer Transportkosten seien die Verbraucherpreise im Juni im Jahresvergleich nur um 4,2 % gestiegen. Im Mai seien es 4,6 % gewesen.
Die Industrieproduktion in Russland sei im 2. Quartal 2010 mit 10,9 % im Jahresvergleich hoch geblieben. Angaben zufolge hatte sie im Quartal davor gegenüber dem Vorjahr um 9,5% zugenommen. Wichtige Wachstumstreiber seien unter anderem die Sektoren Produktion sowie Maschinen- und Anlagenbau gewesen. Aus der Teilprivatisierung von Staatsbetrieben sollte die Regierung zwischen 2011 und 2013 30 Mrd. US-Dollar erlösen. Auf der Russlandreise des vietnamesischen Parteigeneralsekretärs Nong Duc Manh hätten die beiden Länder beschleunigte Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen sowie eine Intensivierung der Beziehungen in Bereichen wie Handel, Investitionen und Bildung vereinbart.
"Das BIP-Wachstum in der Türkei beschleunigte sich dank eines Anstiegs von Konsum und Investitionen. Im 1. Quartal wuchs das BIP im Jahresvergleich um 11,7 % gegenüber einer Expansion von sechs Prozent in den letzten drei Monaten 2009", berichtet der Spezialist. Der private Konsum habe im 1. Quartal im Jahresvergleich um 9,9 % zugenommen und damit doppelt so schnell wie im Vorquartal mit 4,8 %. Der Inflationsdruck habe im Juli weiter nachgelassen. Die Verbraucherpreisinflation habe im Juli ein Siebenmonatstief von 7,6 % gegenüber dem Vorjahr erreicht. "Im Juni hatte der Anstieg im Jahresvergleich noch 8,4 % betragen. Auf politischer Ebene wies Premierminister Recep Tayyip Erdogan Behauptungen zurück, dass die Regierung nach dem Verfassungsreferendum im nächsten Monat vorzeitig Neuwahlen anberaumen werde", heißt es.
Mobius hat langfristig positive Ansichten über die Region des Nahen Osten: "Mit rund 60 % der globalen Ölreserven haben die Länder im Nahen Osten bisher direkt oder indirekt vom langfristigen Aufwärtstrend der Ölpreise profitiert und werden das auch künftig tun." Die Region verzeichne weiterhin positive makroökonomische Daten, unter anderem robustes Wirtschaftswachstum. Höherer Inlandskonsum infolge eines Auflebens von Verbrauchervertrauen und Binnennachfrage dürfte ebenfalls anhalten. Darüber hinaus setzten Regierungen in der Region Strategien um, die auf die Ankurbelung des Wirtschaftswachstums abzielen, würden zulassen, dass ausländisches Kapital auf lokale Märkte fließe, und würden bessere Corporate Governance und mehr Transparenz sowie höher entwickelte Kapitalmarktstrukturen fördern.
