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21.05.2010 17:50 — Aberdeen AM: Asiaten müssen auf der Hut sein

Singapur (fondsweb) - "In seiner Rede zur Lage der Nation Ende Januar 2010 hatte Präsident Obama versprochen, die Exporte der USA in den kommenden fünf Jahren zu verdoppeln. Die meisten asiatischen Länder verfolgten in den vergangenen Jahren die gleiche Strategie. Wenn einer der weltweit größten Importeure in letzter Instanz eine Export-Strategie ausruft, dann könnten die Auswirkungen für Asien gravierend sein", erklärt Hugh Young, der Aktienvorstand von Aberdeen Asset Management.


Für Obama und andere erscheine es offensichtlich, dass das enorme amerikanische Staatsdefizit den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes schwäche. Obwohl dieser Zusammenhang komplex sei, würden viele Beobachter die jüngsten hohen Arbeitslosenzahlen als Ergebnis der Globalisierung und der Auslagerung von Arbeitsstellen nach Übersee sehen. Seit den 60er Jahren bis zum Jahr 2000 habe die US-Fertigungsindustrie pro Jahr kontinuierlich rund 30.000 Stellen abgebaut. Durch steigende Produktivität seien weniger Arbeitskräfte benötigt worden. Seitdem seien die Zahlen jedoch auf 560.000 Kündigungen pro Jahr angestiegen (Quelle: US Bureau of Labor Statistics, 2010). "Der Zusammenhang ist nicht offensichtlich: die Globalisierung begann bereits vor Jahren, die Arbeitslosenrate ist jedoch erst vor kurzem steil nach oben gestiegen. Tatsache ist, dass die Arbeitslosigkeit in den USA trotz Stellenverlagerung ins Ausland niedrig war, da die abgebauten Arbeitsplätze durch neue in anderen Branchen wie etwa im Gesundheitswesen oder im Regierungssektor ersetzt wurden. Diese Verlagerung hat das Land in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie den vergangenen zwei Jahren jedoch extrem anfällig gemacht. Durch die Finanzkrise und das Platzen der Immobilienmarkt-Blase sind im Bausektor insgesamt ein Viertel aller Stellen (1,8 Millionen Arbeitsplätze) gestrichen worden", heißt es weiter. Obama konzentriere sich von daher zu Recht auf die Exportindustrie, da ein Aufbau des Arbeitsmarktes und der lahmenden Infrastruktur den Dollar gefährden könnten.


Die Frage ist laut Young nur: Wen wollen die USA beliefern? Deutschland bekräftige sein Exportmodell, die japanischen Exporte stiegen wieder an und Länder wie Großbritannien würden ihre Probleme mit einer eigenen Exportstrategie zu lösen versuchen. Dazu komme ein relativer Wettbewerbsdruck: Wenn der Dollar stabil sei oder gegenüber den Währungen steige, in dessen Länder die USA exportieren möchten, werde diese Aufgabe ungleich schwerer. Neben den Währungskursen spielfen auch die jeweiligen Lohnkosten eine Rolle. Hier hätten die USA in der vergangenen Jahren jedoch aufgeholt. Während in vielen chinesischen Provinzen, besonders in der exportorientierten Jiangsu-Provinz die Mindestgehälter in zweistelliger Höhe gestiegen seien, sei die Produktivität der Amerikaner aufgrund von Entlassungen und sinkenden Lohnkosten pro Produktionseinheit um 22 Prozent gestiegen. Außerdem sei die Einkommensschere in den USA sehr hoch gewesen, so dass zukünftige Arbeitnehmer in einem auflebendem Exportsektor zu international wettbewerbsfähigeren Gehältern eingestellt würden.


China, als großer wirtschaftlicher Gegenspieler der USA, richte seine Währung am US-Dollar aus und weise einen Leistungsbilanzüberschuss im Wert von neun Prozent seines Bruttosozialprodukts vor. Der Druck auf das Land, seine Währung neu zu bewerten, steige - ein Druck, dem sich die Chinesen bis jetzt erfolgreich widersetzt hätten. Vielleicht auch zu Recht, denn der US-Dollar sei die weltweite Reservewährung, die es den entwickelnden Nationen ermögliche, ihre eigene Währung danach auszurichten und stabil zu halten. Diese Länder argumentierten, dass sich das chronische US-Handelsdefizit nicht durch eine geänderte Währung löse, sondern durch Änderungen in den amerikanischen Lohnstrukturen. In der Vergangenheit hätten die USA als Hüter der Reservewährung davon profitiert. Vor der Verantwortung, die mit dieser Position einhergehe, scienen sie sich zuletzt drücken zu wollen. Amerikas Handelsdefizit sei im Mai 2009 innerhalb von acht Monaten von etwas über 60 Milliarden US-Dollar auf knapp 26 Milliarden US-Dollar gefallen; im Februar 2010 habe es bereits bei wieder über 40 Millarden US-Dollar gestanden.


"Wie auch immer die Amerikaner ihre Produktion ankurbeln werden, die Verlierer werden die Asiaten sein. Das bedeutet jedoch nicht, dass Asien nicht weiterhin interessante Anlagemöglichkeiten bietet. China und andere asiatische Länder haben bereits gelernt, qualitativ hochwertige Waren herzustellen. Im nächsten Schritt müssen die Chinesen und Inder lernen, Waren und Güter für ihre eigenen Märkte herzustellen, wie etwa Maschinen für die Baubranche und den Automobilsektor. Diese werden momentan noch aus Deutschland oder Japan importiert. Der zweite Schritt wird wahrscheinlich einige Jahrzehnte in Anspruch nehmen und ist aus Anlegerperspektive wesentlich spannender als der erste", so Young. Irgendwo in China und Indien warteten Unternehmen darauf, als aufstrebende Marktführer entdeckt zu werden und heranzuwachsen. Für Investoren werde die asiatische Dekade von daher eine spannende.

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