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19.05.2010 19:03 — Frage der Zahlungsfähigkeit bleibt

Hamburg (fondsweb) - "Nachdem die Schuldenkrise in Griechenland außer Kontrolle geraten ist, haben die Regierungsverantwortlichen der anderen europäischen Staaten schnell gehandelt und einen Rettungsplan in Höhe von 720 Milliarden Euro verabschiedet. Das Ziel: Die Stabilisierung der Märkte. In der Zwischenzeit hat die europäische Zentralbank einen bisher noch nie dagewesenen Schritt unternommen und in nicht näher angegebener Höhe in den Anleihemarkt eingegriffen", so Léon Cornelissen, Senior Strategist im Team für Analyse der Wirtschafts- und Finanzmärkte von Robeco. Seiner Meinung könne das Rettungspaket allerdings - trotz der immensen Größe - die strukturellen Probleme der Euro-Zone nicht lösen. Eine Liquiditätskrise habe abgewendet werden können, aber die Zweifel in Bezug auf die Zahlungsfähigkeit einiger Euro-Länder blieben vorerst bestehen.


Die Weltwirtschaft präsentiere sich derweil erstaunlich robust. Aber der Risikoappetit der Investoren werde laut Cornelissen sowohl durch allgemeine Tendenzen zur Geldverknappung in den Emerging Markets als auch durch die zunehmende Sorgen in Bezug auf die Nachhaltigkeit der Schuldenpolitik einiger Staaten gedämpft.


In Großbritannien habe das Wahlsystem nach Meinung des Robeco-Experten in eine ungewöhnliche Sackgasse geführt. Dadurch habe sich das drohende Risiko eines Verlustes des aktuellen AAA-Ratings vergrößert, ebenso wie die Gefahr einer Abwertung des britischen Pfunds aufgrund nicht vorhandener Programme zur Konsolidierung der Staatsfinanzen.


Cornelissen habe bereits Ende April den generellen Ausblick für Aktien gesenkt. Robeco sei nicht mehr länger positiv für Aktien eingestellt. Die niederländischen Experten rechneten an den Aktienmärkten mit einer Seitwärtsbewegung, begleitet durch eine erhöhte Volatilität. Sowohl das volkswirtschaftliche Wachstum als auch die Unternehmensergebnisse würden zunehmend Schwierigkeiten haben, auf der positiven Seite zu überraschen. Zudem seien die Marktteilnehmer weiterhin verunsichert durch die anhaltenden Sorgen bezüglich des Zustands der Staatsfinanzen einiger Länder.


Parallel mit der veränderten Sicht auf den Asset-Mix, hätten sich auch nach Meinung von Cornelissen regionale Präferenzen verschoben. Der Robeco-Experte sei nun negativ in Bezug auf Europa eingestellt, sehe indessen aber in Nordamerika Chancen. Laut Cornelissen sind Staatsanleihen weniger attraktiv als Unternehmensanleihen. Aber im Vergleich zum Geldmarkt würden sich beide Perspektiven nicht wesentlich unterscheiden, da der Robeco-Experte nicht mit einem deutlichem Umschwung am langen Ende der Zinskurve rechne - abgesehen von den Peripherie-Ländern mit Schuldenproblemen. Zudem nehme Cornelissens Begeisterung für zyklische Werte langsam ab. Stattdessen sei der Robeco-Experte für defensive Sektoren wie Telekommunikation und Versorger nicht mehr länger negativ eingestellt. Bezüglich des Finanzsektors behalte Cornelissen seine zurückhaltende Einschätzung bei: Die Unsicherheit bezüglich zukünftiger Regulierungspläne habe negativen Einfluss auf die Finanzbranche und die Problematik der Zahlungsfähigkeit einiger Staaten könnte den Sektor empfindlich treffen.

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